Die Lebenserwartung eines Pkw durch Laufleistung in km zu ermitteln ist praktisch unmöglich. Gehen wir allein von Motor und Getriebe aus, hängt alles von Nutzungsverhalten, Wartung und Anspruch ab.
Ich meine mal gelesen zu haben, dass ein Auto mit 900.000 Autobahn-Kilometern den gleichen Verschleiß aufzeigt, wie ein Auto mit 280.000 Stadt-Kilometern. Ist ja auch sinnig durch den Unterschied von Kaltstarts, unterschiedlichen Lastzuständen, Thermik, Abnutzungsintervallen (bsp. Betätigung der Kupplung), usw...
In den USA halten Autos ja auch im Schnitt länger, weil das Fahrprofil auf längeren Strecken und weniger Stop and Go basiert.
Dort kann man sehen, dass Fahrzeuge bestimmter Hersteller einfach länger halten und dass deutsche Fahrzeuge da ganz hinten anstehen. VW hat keinen guten Ruf dort drüben, weil einfach nicht langzeitstabil.
Dort sind Hersteller mit Langzeitqualitäten gefragt...Toyota, Ford, Honda...
Also gibt es Unterschiede bei der Qualität in Abhängigkeit zum Nutzungsverhalten.
Kulturell ist auch in Deutschland das Problem, das beim Durchschnittsbürger ein Auto mit 130tkm als "abgenutzt" angesehen wird. Dies ist eine Meinung, die stammt noch aus den 50ern und 60ern, als Autos selten lange hielten. Dies änderte sich erst mit den 80ern und 90ern.
Ist in Deutschland/Europa erstmal ein Ruf hin, dann bleibt er es auch.
Zum Beispiel Opel, Opel war bis 1993 der größte europäische Auto-Hersteller, dessen Augenmerk auf soliden, simplen und günstigen Autos für jedermann lag.
Aber in den 90ern gab es einen Kulturellen Wandel in Europa und modische Trends hatten über Qualität und Anspruch gesiegt. War eine Ware (egal um welches es sich handelt) "made by Design", dann war das das Kaufargument! Dazu kam noch Publicity und Medien und Zack war ein Ruf hin.
Vergleich beim Astra F und Golf III:
Der Astra war der meistverkaufte Opel aller Zeiten, hat aber auch den schlechtesten Ruf, obwohl zu Unrecht...nicht mal der Rost war Schuld daran, sondern der Funkenschlag am Tankstutzen bei ganz frühen Astra F...riesiges Medienaufgebot!!!! Opel hat direkt nachgebessert und ebenfalls den Korossionsschutz ab 12/93 stark verbessert. Ansonsten liefen diese Autos nahezu problemlos über viele Kilometer und das trotz meist fehlender Wartung, "ist ja nur ein Opel, der ist das nicht wert".
Ein Golf III hingegen wurde intensiv gepflegt, "weil VW ist ja Qualität, da hat man lange was von". Dabei ist das ein Irrglaube...der Golf rostete mindesten genauso schnell wie ein Astra F... meistens schlimmer und an merkwürdigen Stellen. Dazu kamen auch häufig Probleme an Motoren und Getrieben auf (brechende Kühlwasserstutzen, Überhitzung, Defekte Synchroringe, Risse in Abgasanlagen, Domlagerdefekte, korrigierte Kühler und Froststopfen...). Aber "es ist ja ein VW, das bedeutet Qualität"! Und daher haben die Leute eher in ihren Golf übermäßig investiert, als in einen "popeligen Opel".
Sei es drum...viele Hersteller und gerade die deutschen haben ihren Qualitätsanspruch verloren und haben ihre Produkte kaputt gespart. Aber heute zählt Image und Marketing mehr, als Haltbarkeit und Nachhaltigkeit. Deswegen verkaufen sich die deutschen Marken auch so gut, obwohl ein Toyota oder Honda tausendmal besser sind.
Gleiches findet bei Haushaltsgeräten statt, bei Kleinelektronik, bei Möbeln, Kleidung, Smartphones, einfach praktisch überall!
Ständige Marktpräsenz ist wichtiger und dass man im Trend liegt.
Zum Thema Ersatzteile...meine Erfahrung ist, dass billig auch nur so lange hält wie der Preis es schon sagt...kurz!
Aber auch Markenhersteller haben nachgelassen. Bosch kaufe ich nur noch, wenn es "NOS" ist, also alte Lagerware von früher. Denn Bosch Automotive kauft nur noch zu und macht einen Stempel drauf.
Scheibenwischer kann man vergessen, sind in kürzester Zeit hin, oft schnelle als die billigen aus dem Supermarkt. Zündkerzen sind oft falsch eingestellt oder defekt oder halten nicht lange. Zündspulen machen oft komische Geräusche oder reißen schnell.
Übrigens ist auch bei günstigen Angeboten von Markenherstellern bei bestimmten Ersatzteilseiten Vorsicht geboten! Gerade bei autodoc und allen seinen Unterseiten muss man damit rechnen Teile aus schlechteren Chargen zu erhalten.
Ich kaufe immer mehr mittlerweile im stationären Teilehandel, obwohl mir aktuell das Geld sehr wehtut.
Ob und in wie weit die frühzeitige Obsoleszenz nachzuweisen ist, das bleibt fraglich. Ist halt einfach auch eine moralische Frage, welche auch der Rechtsstaatlichkeit unterliegt und teuere nachgewiesen werden muss. Da sich keiner die Mühen machen und das Geld investieren will beugt man sich. Meckern ist erlaubt, aber Änderungen ergeben sich nur im Dialog...wie auch immer der auf "Augenhöhe" stattfinden mag? 😅